Im September stehen für uns Übersetzer zwei ganz besondere Tage an: am 26.09.2026 der Europäische Tag der Sprachen und am 30.09.2026 der Internationale Tag des Übersetzens. Es gibt also keine bessere Zeit, um meinen neuen Blog zu starten und einen Einblick in meine Arbeit zu geben 🙂

Die Grundlagen: Übersetzer werden
Natürlich ist Grundvoraussetzung für die Arbeit als professioneller Übersetzer oder Übersetzerin die Liebe zu Sprachen und Kulturen!
Grundsätzlich ist Übersetzer kein geschützter Beruf. Das bedeutet, dass theoretisch jeder sich Übersetzer nennen darf. Aber nicht jeder darf alles übersetzen.
Möchte man sich aber als Übersetzer beeidigen lassen, um auch beglaubigte bzw. bestätigte Übersetzungen von Dokumenten anzubieten, muss man dafür ein Studium absolvieren und die staatliche Prüfung bestehen. Studiengänge Translationswissenschaft gibt es an vielen Universitäten, man kann aber auch an einer Fachakademie studieren oder über ein entsprechendes Institut ein Fernstudium absolvieren.
Zum Studium gehören außer Unterricht in der Fremdsprache auch Unterricht in der Muttersprache, außerdem Landeskunde und Unterricht in einem Fachgebiet wie Technik oder Wirtschaft. Warum all das dazu gehört?
Was gehört zum Übersetzen alles dazu?
Arbeit mit Sprache und Kultur
Klar übertragen wir Worte von einer Sprache in die andere. Aber dahinter steckt wesentlich mehr.
Haben Sie im Englischen schon eimal das Sprichwort: „A stitch in time saves nine.“ gehört?
Die wörtliche Übersetzung (und auch der Vorschlag von DeepL) wäre: Ein Stich zur rechten Zeit spart neun.
Damit können wir deutschen Muttersprachler nur wenig anfangen.
Eine viel bessere Übersetzung wäre, je nach Kontext: „Was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen.“ oder „Vorbeugen ist besser als heilen“. Trifft es nicht ganz, aber die grundlegende Bedeutung wird wiedergegeben.
Nicht nur bei Sprichworten oder Gedichten sind wörtliche Übersetzungen nicht möglich, sondern bei jedem Text. Übersetzen beginnt dort, wo man versteht, was der Ausgangstext beim Leser (oder Hörer) auslöst. Und genau das muss man in der anderen Sprache möglichst exakt wiedergeben.
Tools: Recherche und Terminologie
Um genaue Entsprechungen für Inhalte in der Zielsprache zu finden, muss man sich natürlich mit dem Fachgebiet auskennen. Man glaubt gar nicht, wie viele Worte, die wir täglich einfach so verwenden, in technischen Zusammenhängen eine komplett andere Bedeutung haben… Oder wie viele Abkürzungen in der Medizin zwar komplett gleich aussehen – in der Kardiologie aber etwas völlig anderes bedeuten als zum Beispiel in der Neurologie. Also: Recherche in Fachliteratur oder nachfragen bei Fachpersonen ist das A und O, wenn der übersetzte Text später Sinn ergeben und verwendbar sein soll.
Übersetzer arbeiten schon lange computergestützt, mittlerweile teilweise auch mit KI-Unterstützung (wobei sich viele Kollegen aus verschiedenen Gründen dagegen wehren). Die Standardsoftware, mit der wir arbeiten, sind translation memory-Systeme. Diese funktionieren so, dass während des Übersetzens im Programm die übersetzten Sätze abgespeichert werden können. Bei zukünftigen Übersetzungen kann das Programm die vorherigen Übersetzungen in der Datenbank finden und schlägt sie, wenn sie passend zum neu zu übersetzenden Satz sind, vor. In diesen Programmen kann man sich zusätzlich Wörterbücher (Terminologiedatenbanken) anlegen. Dies tut man zum Beispiel, um das Vokabular für ein Fachgebiet oder auch für einen speziellen Kunden kompakt gebündelt zu haben.
Beglaubigte Übersetzungen
Wenn man als Übersetzer eine staatliche Prüfung abgelegt hat, kann man sich bei einem Landgericht beeidigen lassen. Dann bekommt man eine Bestallungsurkunde und kann sich einen Stempel für die Übersetzungen anfertigen lassen.
Was wird beglaubigt übersetzt?
Beglaubigt übersetzt werden müssen Urkunden wie Geburtsurkunden, Heiratsurkunden und Ehescheidungsurkunden und manchmal Namensänderungsurkunden, wenn man zum Beispiel aus einem anderen Land nach Deutschland einwandert. Für die berufliche Anerkennung müssen auch Zeugnisse und Diplome beglaubigt übersetzt werden. Oft gibt es auch weitere Bescheinigungen wie Meldebescheinigungen, Ledigkeitsbescheinigungen oder Einkommensnachweise, die für deutsche Behörden gebraucht werden, wenn man zum Beispiel aus einem russischsprachigen Land kommt und in Deutschland heiraten möchte.
Wie werden beglaubigte Übersetzungen angefertigt?
Zuerst werden die Dokumente natürlich übersetzt. Für Standard-Dokumente habe ich persönlich Vorlagen, mit denen ich arbeite. In der Kopfzeile muss dabei immer die Überschrift „Bestätigte Übersetzung aus der … Sprache“ oder Ähnliches stehen. Am Ende steht der Beglaubigungsvermerk, ähnlich wie beim Notar, in dem man bestätigt, dass die Übersetzung vollständig und korrekt ist. Man hat also eine ganz besondere Sorgfaltspflicht und prüft lieber alles zweimal, bevor man die Arbeit abschließt! Denn der letzte Schritt ist dann der Ausdruck und auch die Unterschrift sowie der Stempel auf dem Beglaubigungsvermerk. Manchmal reicht auch eine elektronische Unterschrift aus, aber viele Behörden fordern die Unterlagen in Papierform an. Wenn die Übersetzung aus mehreren Seiten besteht müssen sie wie beglaubigte Kopien an einer Ecke geknickt, zusammengeheftet und so gestempelt werden, dass der Stempel auf jeder Seite ist.
Tatsächlich hat der Übersetzer dabei eine sehr große Verantwortung: Wenn zum Beispiel ein Datum eines Dokuments oder die Umschrift eines Namens aus dem Kyrillischen Alphabet nicht stimmt oder nicht in allen Dokumenten konsistent ist, kann das viel Ärger für den Kunden bedeuten.
Wenn Sie bis hierhin gelesen haben, interessieren Sie sich sicherlihc für Übersetzungen und brauchen vielleicht sogar eine beglaubigte Übersetzung 🙂 Ich bin gerne für Sie da! Melden Sie sich jederzeit bei mir.

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